Koalition gegen Antisemitismus in Halle

Die „Koalition gegen Antisemitismus in Halle“ ist ein Zusammenschluss von Organisationen und Initiativen aus der Zivilgesellschaft der Stadt Halle (Saale), die sich gemeinsam gegen Antisemitismus engagieren. Dabei legen sie die Arbeitsdefinition Antisemitismus der IHRA zu Grunde. Gefördert und ermöglicht wird das Projekt durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ).

Das Gegenteil von solidarisch: Verschwörungsideologien

Online-Vortrag zu Hintergründen & Handlungsempfehlungen zu Verschwörungsideologien

Verschwörungsmythen haben Konjunktur und geben sich gerne gesellschaftskritisch. Sie wollen „alles hinterfragen“, zeigen, „was wirklich gespielt wird“ und benennen wer vermeintlich „alle Fäden in der Hand hält“. Doch sie analysieren keine Interessenkonflikte, sondern bedienen menschenverachtende Feindbilder. Sie bieten keine Lösung für gesellschaftliche Probleme, sondern verschleiern sie. Und sie fördern keine Solidarität, sondern den Ausschluss und Hass gegen alle, die nicht zu den „Aufgewachten“ gehören. Deshalb sind Verschwörungserzählungen unvereinbar mit einer gesellschaftskritischen Haltung, die sich für eine solidarische und gerechte Gesellschaft einsetzt. Die Konfrontation mit diesen Ideologien und den Menschen, die sie vertreten, gestaltet sich aber oft schwerer als gedacht. Insbesondere wenn einem Verschwörungserzählungen im nahen Umfeld, wie Familie, Verein oder Arbeitsplatz begegnen. Deshalb ist es umso wichtiger das Phänomen richtig zu verstehen, die eigene Haltung zu stärken und Handlungsmöglichkeiten zu finden.

Auch in Halle (Saale) finden seit inzwischen mehr als einem Jahr regelmäßig und teils mehrmals wöchentlich verschiedene Versammlungen statt, welche sich vermeintlich gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Pandemie richten, tatsächlich jedoch vor allem zahlreiche Verschwörungsmythen verbreiten. Neben dem Neonazi Sven Liebich und dessen Umfeld sowie weiteren Akteur_innen der extremen Rechten finden sich dort mit der sogenannten „Bewegung Halle“ auch Esoteriker, Impfgegnerinnen und Personen, die sich selbst als Teil der sogenannten „bürgerlichen Mitte“ oder „als politisch links“ beschreiben. Sie alle eint hier der Wahn von der Weltverschwörung, sie teilen antisemitische und rassistische Narrative und extrem rechte Verschwörungserzählungen.

Zusammen wollen wir folgenden Fragen nachgehen: Woher kommt der Trend zu ideologischen Welterklärungen mit klaren Freund/Feind Schemata? Wie hängen Verschwörungsideologien mit Antisemitismus zusammen? Wie erkennt man sie überhaupt und was sind solidarische Antworten auf Verschwörungsideologien?

Ferdinand Backöfer und Lisa Geffken arbeiten in der „Fachstelle für Politische Bildung und Entschwörung“ der Amadeu Antonio Stiftung in Leipzig. Zusammen suchen sie nach neuen, pädagogischen Zugängen, um Menschen über 40 in einem kritischen Umgang mit Verschwörungserzählungen zu unterstützen.

Die Veranstaltung wird am Donnerstag, den 3. Juni, um 18 Uhr über Zoom stattfinden.

Anmeldung bis zum 3. Juni 2021, 16 Uhr bitte per Mail an: anmeldung@halle-gegen-rechts.de

Zeitablauf:

18:00 Uhr Begrüßung & Input zu den Versammlungen gegen die Corona-Eindämmungsmaßnahmen in Halle (Saale)

18:20 Uhr „Falsche Umarmungen – Zur Konjunktur von Verschwörungsideologien“ (Input & Diskussion)

– Pause –

19:15 Uhr „Hilfe, mein Vater ist Coronaleugner – Tipps zum Gespräch mit Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben“ (Input & Diskussion/Fragerunde)

 

Ausschlussklausel:  Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch antisemitische, rassistische, nationalistische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu den Veranstaltungen zu verwehren oder von diesen auszuschließen. Das gilt ebenso für Personen, die rechtsradikale Symbolik und Bekleidungsmarken zur Schau stellen.


** Dieser Workshop ist Teil eines Kooperationsprojektes zwischen der Koalition gegen Antisemitismus in Halle und der „Fachstelle für Politische Bildung und Entschwörung“ der Amadeu Antonio Stiftung **

 

Koalition gegen Antisemitismus in Halle (Saale) aktiv

Pressemitteilung – 26.05.2021 – 

Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage startet mit weiteren Partnerinnen und Partnern ein neues Projekt gegen Antisemitismus in Halle (Saale). Nach dem Anschlag am 9. Oktober 2019 hatten das Bündnis, die Regionalgruppe von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Miteinander e.V. und der Studierendenrat der Universität Halle dafür erfolgreich einen Antrag bei der Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” (EVZ) eingereicht. 

Das Projekt mit dem Namen “Koalition gegen Antisemitismus in Halle” soll auf lokaler Ebene dazu beitragen, Antisemitismus zu erkennen und gemeinsam gegen diesen handlungsfähig zu werden. Die Mitglieder der Koalition verpflichten sich dazu, in ihrer eigenen Organisation eine interne Bildungsveranstaltung durchzuführen und sich an mindestens einer gemeinsamen Aktion in der Stadt zu beteiligen. Für diese Aktionen hat die Koalition drei Schwerpunkte: Das Festjahr 2021 jüdisches Leben in Deutschland, den Jahrestag des Anschlags vom 9. Oktober 2019 und Aktionen im öffentlichen Raum gegen Antisemitismus (wie Plakatkampagnen, Infostände, kreative Formate). 

“Wir haben gesehen, dass sich nach dem Anschlag 2019 viele in Halle gegen Antisemitismus engagieren wollten, uns aber auch oft gesagt haben, dass sie gar nicht genug über Antisemitismus wissen”, so Valentin Hacken, Sprecher von Halle gegen Rechts. Daher verfolgt das Projekt den Ansatz, dass alle Mitglieder der Koalition zunächst interne Bildungsveranstaltungen organisieren, um sich danach gemeinsam zu engagieren. Dabei werden sie durch eine hauptamtliche Projektkoordination beraten und unterstützt. “Die Koalition ist ein Arbeitszusammenhang, um gemeinsam mehr über Antisemitismus zu wissen und dadurch wirksamer gegen Antisemitismus handeln zu können”, so die Projektkoordinatorin Katharina Hindelang. Zu den ersten Mitgliedern, die sich die Auseinandersetzung mit Antisemitismus für das Jahr 2021 vorgenommen haben, gehören unter anderen das Fanprojekt für (H)alle, die Franckeschen Stiftungen, Rock Your Life Halle e.V. und das Redore Gym. Organisationen die sich der Koalition anschließen wollen, können sich bei der Projektkoordination melden. 

Fachlich begleitet wird das Projekt u.a. durch die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Sachsen-Anhalt. Gefördert und ermöglicht wird das Projekt durch die Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” (EVZ) mit mehr als 20.000 Euro. Begonnen hat es mit den ersten Vorbereitungen und Treffen im Januar, die Förderung läuft bis Ende des Jahres. Halle gegen Rechts hofft auf eine Verlängerung der Förderung. Derzeit beginnen die ersten internen Bildungsveranstaltungen der Mitglieder der Koalition.

Am Donnerstag, 3. Juli um 18 Uhr findet die erste öffentliche Veranstaltung der Koalition statt mit einem Onlinevortrag mit Lisa Geffken und Ferdinand Backöfer (Fachstelle für Politische Bildung und Entschwörung, Amadeu Antonio Stiftung) über Verschwörungsideologie und Antisemitismus. Es wird dabei auch um Antisemitismus bei den seit Monaten wöchentlich auf dem Markt in Halle stattfindenden Versammlungen gegen die Corona-Eindämmungsmaßnahmen gehen.